AFD-Blues (Video: https://www.facebook.com/dziukskueche/ am 17.09.2017)

Jaja ich weiß, möglicherweise „preaching to the convinced“, aber andererseits scheint´s vor allem bei halbwegs linken politischen Liedermacher/Innen immer wieder zu Vereinnahmungen einzelner Songs durch den rechten Rand zu kommen (wie z.B. bei Sarah Lesch). Vielleicht drücken sich jene nicht klar genug aus, oder aber diese Teppichfresser tun das einfach mutwillig, denn bösartig-verzerrender Zynismus ist ja vor allem ihr Territorium. Oder beides. Und so ein Liedchen wie dieses hier ist ja jedenfalls schon mal unmöglich misszuverstehen oder zu vereinnahmen.

Wie auch immer, ich hatte jedenfalls einige Diskussionen darüber mit den verschiedensten Leuten. Einer zum Beispiel meinte, dass „unsere“ Stärke doch vor allem darin bestünde, die besseren Argumente zu haben, und deshalb ein satirisch überspitztes Stück „denen“ eher in die Hände spielen würde, denn dann könnten sie zurecht monieren, dass man daran ja mal wieder sehe, wie unsachlich die Gegenseite vom Leder ziehe.

Na schön, daraufhin schrob ich etwa ein Dutzend weitere – diesmal sachlichere (s.u.) – Strophen, aber es zündete nicht so richtig, wurde zu lang (obwohl die Verse eigentlich gelungen waren), und vor allem beim öffentlichen Ausprobieren hatte ich ein Gefühl von „wann-ist-der-Scheiß-hier-endlich-zuende“. Ein Song sollte Esprit haben und nicht zu argumentativ sein, sonst ist es ein Vortrag, bei dem die Musik eher stört.

Aus dem Dilemma befreite mich schließlich eine sehr geschätzte Kollegin, die meinte, dass „Pädagogik“ (damit meinte sie die „argumentativen“ Strophen) bei diesem Thema eh gänzlich fehl am Platze sei, denn die AfD erinnere sie an einen Schulhofschläger, der – während er einen Schwächeren im Schwitzkasten hält und ihm dabei immer wieder auf die Nase boxt – sagt: „Wieso? Ich mach doch gar nix.“ Und mit solchen Leuten argumentiere man nicht, sondern haue drauf.

Und besonders nach deren Wahlkampf-Endphasen-Rhetorik der letzten Tage denk ich, dass sie Recht hatte, die Kollegin. Da gibt´s nichts zu „verstehen“, und die Absichten dieser Leute sind sehr klar. Es ist einfach ein Haufen von Schwindlern und Falschspielern, die vor allem ihre eigene Klientel komplett verarschen oder verraten würden, sollten sie irgendwas zu sagen bekommen. Und es sind Geldanbeter und Super-Neoliberale, denen nichts scheißegaler ist als als die Kassiererin bei Aldi, auf deren Stimme sie aber nichtsdestotrotz setzen. Und tonnenweise Kreidefresser, wenn´s um die Stimmen der gemäßigteren Mitte geht.

Und deshalb hier wieder die satirische Kurzform:

1 AfD, AfD
wenn´s dir hier nicht passt, dann geh
geh doch rüber in die DDR
ach schade, was? Die gibt´s nicht mehr…

2 schon gar nicht als ne multikul-
turell versiffte Zwei-Punkt-Null
eher steht sie doch bei euch schon klamm-
heimlich längst im Parteiprogramm

3 die Grenzen dicht? Und ohne Hehl
notfalls auch mit Schießbefehl?
Weisst du was, AFD?
Ich hätte da ne Mords-Idee:

4 wie wär´s: ihr schmeißt n Riesenfest
und alle von euch – ohne Rest
solln bitte, bitte dann auch komm´
zum Beispiel – sagen wir – nach Meck Pomm

5 als West-Ausgleich – Freibier dazu-
Verwirrte wie Xavier Naidoo
der Rest der Welt schön außen vor
und alle singen mit im Chor:

6 „Lügenpresse, auf die Fresse
Gauland hoch, und heim ins Reich“
und niemand hat auch mehr Interesse
na, endlich wärt ihr unter euch

7 und glücklich und betrunken dann
und voll wie 100.000 Mann
da mauert ihr bei Fackelschein
euch endlich einfach selber ein

8 na schön, das mit der DDR
nehm ich zurück, das iss nicht fair
so ein Vergleich wär dann am End´
ein doch zu schönes Kompliment
für euch

—————————————————————-

Bis hierhin gesungen bzw. die Kurzform; es folgen noch ein paar der o.g.„pädagogischen“ Strophen, bevor die in der Schublade verschwinden… die nächste z.B. schließt argumentativ nahtlos an die letzte an: denn wenn man der alten DDR eines nicht vorwerfen kann, dann, dass sie so asozial gewesen wäre wie etwa das wirtschaftspolitische Konzept der AfD:

10 die Schere zwischen arm und reich
die senkte sich doch unter euch
sofort in den Spagat – entlang
der Hedgefonds – und im Schleudergang

11 für Pennymarkts Kassiererin
wär´n Mindestschutz bei euch nicht drin
ihre Steuerlast dagegen wär
die gleiche wie beim Millionär

12 ihr lacht euch doch vom sichren Boot
aus ob der eignen Wähler tot
Parole „Was, kein Brot mehr da?
Dann fresst doch einfach Kaviar.“

13 dass Scharia und Fatwa eher
nicht hergehörn, na, da schau her
da habt ihr Recht, und sogar krass
und oft ist ja auch Wasser nass

14 das Christentum, dein Abendland
ein nasser Lappen an der Wand
wo für die Nächstenliebe man
auf Nachbars Rache zählen kann

15 die frohe Botschaft lautet: seht
egal, wie schlecht es ei´m auch geht
s´gibt immer Schwäch´re, auf die man
trotzdem noch runtertreten kann

16 deine Version von Vaterland
ist nicht mal die von Helmut Kohl
geschweige denn von Willy Brandt
sondern beschwört, was ihr gekränkt
zurecht nicht sagen dürft, doch denkt

Mögliche Schlüsse:

17 AfD, AfD
friss die Kreide, tut´s auch weh
auf dass sie euch, wenn ihr dran reibt
erst recht im Halse steckenbleibt

oder:

18 AfD, AfD
weiß wie Teer und schwarz wie Schnee
geh doch rüber in die Haifisch-Bar
und erklär´s deinen Wählern da
dein Abrakadabra
kein Banker in Gefahr
ja nee, versteh, iss klar:
zurück dahin, wie´s niemals war

oder:

19 AFD, AFD
wenn´s dir hier nicht passt, dann geh
doch rüber in Trumps USA
den findet ihr doch wunderbar

20 auch wenn du dann, etwas pikant,
nicht mehr wärst als ein Immigrant
und wenn du Pech hast regiert da
ne Schwarze bald Amerika

Die letzten beiden sind von Heiko Werning (von dem auch die Formulierung „multikulturell versiffte Zwei Punkt Null“ in der zweiten Strophe stammt, und den ich überhaupt bei dem Text öfters um Rat fragte), der eine noch etwas andere Version beim letzten Jahresrückblick der Brauseboys zum Besten gab (nee, natürlich alle Brauseboys, aber die Textzusammenstellung stammte im Wesentlichen von Heiko), bei etwa 20 Aufführungen im Berliner Kookaburra.

Ein Gedanke zu “AFD-Blues (Video: https://www.facebook.com/dziukskueche/ am 17.09.2017)

  1. …. die AfD erinnere sie an einen Schulhofschläger, der – während er einen Schwächeren im Schwitzkasten hält und ihm dabei immer wieder auf die Nase boxt – sagt: „Wieso? Ich mach doch gar nix.“

    Genau die Charakterisierung, die mir auch immer einfällt. Und die einen dann immer so wunderbar wütend hinterlässt, weil man sich ja mal der Gewaltlosigkeit verschrieben hat. Bin doch kein mjanmaischer Buddhisten-Mönch. Om!

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