So einfach geht das?

July 3rd, 2006 - Kein Kommentar

Ich kann diese Fressen (Entschuldigung) nicht mehr sehen (eigentlich bin ich ein grosser Fan von Differenzierung & Ambivalenz, & ein Fussballhasser weissgott auch nicht, aber auf den grossen TV-Kanälen ist derzeit wirklich alles zu spät): Primetime der ENTLANGLABERER. Falls sie mal gerade nicht am fachsimpeln, talken oder quatschmachen sind, versuchen sie einem in den Werbepausen irgendwelches Zeugs anzudrehen, das bei jedem Warentest achtkantig durchfallen würde.

Danach wieder Echtzeit: Gib ihnen irgendein Thema, IRGENDWAS (oder irgendwen), und sie labern’s (oder sie oder ihn oder was auch immer) reisswolfartig & ohne jedes Erbarmen zu Brei. Etwa ein Dutzend immer wiederkehrender Gesichter mit Mündern dran, die ununterbrochen auf & zugehen. Dahinter eine Armee von Witzeschreibern, Informationsbeschaffern & Telepromptern. Eine Art Stellvertreterfamilie, die ein ganzes Land zu ihrem Wohnzimmer macht. Obwohl sie den lieben langen Tag nichts als chillen, wissen sie alles besser: im Moment selbstredend über Fussball. Ansonsten kennt man sie aus Talkshows & Quizsendungen. Auch da dasselbe: sie wissen alles. Besser. Was vielleicht auch am Medium liegt: im Gegensatz zu halbwegs normalen Menschen fühlen sie sich vor einer öffentlichen Kamera so wohl wie Goldfische im Aquarium (nach Fütterung). Was ihnen wiederum den entscheidenden psychologischen Vorteil verschafft: das quasi ständige Herumreiten auf diesem einen billigen Trick. Könnte das sein? Weiterlesen, hier »

Fifa vor!!!

June 8th, 2006 - Kein Kommentar

And now something completely different: hab einen WM-Song im Netz (www.mp45.de), d.h. eigentlich nicht ich, sondern Helmut Heimann (Radio Eins), der irgendwie auf die Idee kam, und ich. Er ist 120prozentiger Fussballfan & Experte, was ich von mir nicht gerade behaupten kann. Aber egal, denn ich hab auch nichts Explizites dagegen. Kann von mir aus jeder halten, wie er will. Jedenfalls solange das auch für mich gilt. Da bin ich ganz Demokrat. Monsieur Heimann auch. Fein.

Wofür wir uns gewissermassen beide interessierten, war folgendes: für manche Leute ist Fussball ihr ganzes Leben, für andere schlicht ein Haufen Geld. Welcher Art ist also die Beziehung zwischen den beiden? So quasi das Thema. Auch übersetzbar mit: Loge gegen Kurve, Sponsoren gegen Fans, big money gegen Leidenschaft. Überbegriff: Fifa. Weiterlesen, hier »

Fett in Japan

February 25th, 2006 - Kein Kommentar

Schönen Dank erstmal für all die mir zugeschickten Verse zu “Fett in Japan”; wobei ich leider vor allem gemerkt habe, daß ich das ganze wohl offensichtlich nicht vollständig genug erklärt habe (ist aber auch eigentlich nicht der richtige Platz dafür, so eine Bühne). Sicher ist “Big in Japan” auch eine Art Synonym für “Angeber”, aber es steckt natürlich noch mehr dahinter (vor allem hinter dem Waits-Text). Soll ich’s mal versuchen? “Jaaaahahaaa”, hör ich da einen kleinen Chor. Das reicht, na gut. Danke. Also bei Waits geht das so:

I’ve got the style, but not the grace
I’ve got the clothes, but not the face
I’ve got the bread, but not the butter
I’ve got the winda, but not the shutter

Alleine schon die erste Zeile haut mich um. Was für eine Eröffnung, style ins Verhältnis zu setzen mit grace: Stil, also das, was heute jeder für sich beansprucht, “stylisch” auf neudeutsch, steht auf jeder Haargel-Packung… dagegengesetzt dann das schöne & tiefe Wort grace, das so viele Bedeutungen hat (& daher übrigens auch kaum zu übersetzen ist): von (göttlicher)”Gnade” oder (auch nur prosaisch)”Gunst” bis hin zu “Grazie, Anmut” - also mit anderen Worten das, was nicht jeder MöchteAuchMalGern sich einfach so aneignen kann, da muss schon noch etwas anderes mit dazukommen. Was immer das ist. Bei den Jazzern gibt’s den Spruch “If you ain’t got that swing / it don’t mean a thing!” - Es geht um diesen irgendwie entscheidenden kleinen Unterrschied zwischen (sagen wir) Richtig-gut und Naja-damit-kommt-man-halt-auch-durch. Wird jedenfalls offensichtlich hier & da sehr deutlich wahrgenommen. Vielleicht müssen einige dafür sehr hart arbeiten, während es anderen in die Wiege gelegt wird, was weiss ich. Fest steht nur: genauere Definition kaum möglich. Es entzieht sich Begriffen. Frag mal einen richtigen Jazzer, was damit gemeint ist. Auch der kann’s nicht erklären. Vielleicht würde er sagen:”Na los, spielen wir mal ne Runde, vielleicht wird’s dann klarer.” Und das gibt es nicht nur im Jazz: den Unterschied zwischen style und grace. Wie leicht und elegant. Und tief. Weiterlesen, hier »

Brüder & Schwestern

February 14th, 2006 - Kein Kommentar

Und was (momentan) Religiöse Gefühle angeht: können unsere Brüder & Schwestern im näheren & ferneren Osten sich eigentlich vorstellen, daß Steinigungen, Händeabhacken, öffentliches Auspeitschen sowie Hängen & ähnliche Scherze (oder auch sowas wie der völlig idiotische Mord an Hatun Sürücü, von dem mir keiner erzählen kann, daß der nur auf Rechnung von archaischem Stammesdenken geht: die haben jedenfalls ihren Kaplan sehr genau gelesen) eventuell auch die Gefühle von halbwegs aufgeklärten Mitteleuropäern verletzen könnten?

Oder ein bißchen variiert: haben nur superreligiöse Menschen Gefühle? Und das fragt hier bitteschön jemand, dem religiöse Dinge durchaus überhaupt nicht scheissegal sind (denn da hat er z.B. einige seiner interessantesten Inspirationen her). Na schön, nur so ein Gedanke.

Allerdings einer, den ich verdammt selten lese in all den Kommentaren: denn entweder liegt der Akzent auf deren Verletzheit oder aber unserer Pressefreiheit. Liegt da nicht so ziemlich als erstes auf der Hand, wie’s denn dann um deren Pressefreiheit bestellt ist (bzw. um die Verletztheiten von Leuten, deren hauptsächliches Verbrechen darin besteht, eins und eins halbwegs zusammenzählen zu können)?

Oder noch anders gefragt: ist sowas wie Religion nur um den Preis von beschissenem Mittelalter zu haben? Und ist der Rest Marxismus (scheint erstmal wegzufallen, könnte aber wiederkommen) oder Raubtierkapitalismus (der gar nicht anders kann als den Ast abzusägen, auf dem er sitzt)? Nee, kann ich alles nicht glauben. Weiterlesen, hier »

Ganz schön windig…

February 6th, 2006 - Kein Kommentar

… die Gigs mit der Band für’s erste vorbei, weiter geht’s in der Konstellation frühestens Juni, denn Moe fährt für ein paar Monate in die Schweiz, Kulle hat ne Menge am Potsdamer Hans-Otto-Theater zu tun (Premiere “About a Band” am 14.2.; hat er nicht nur - d.h. ausser der Musik - mitgeschrieben, sondern besetzt erstmalig auch eine Hauptrolle als Schauspieler), & Hans ist für die neue Winson-CD mit am Start, welche da demnächst erscheint & keiner weiss, was dann passiert. Viel Glück für alle!

Und soweit, so gut & so schade ein bißchen, denn das neue Konzept funktionierte eigentlich ziemlich gut: die Intimität von Folk (zumindest stellenweise) abzuwechseln mit Rock’n Roll- Krach & Risiko (& was sonst noch allem), so daß weder Text noch Spielfreude einander zu sehr auf die Nerven gingen. Es hätten also durchaus noch ein paar Termine mehr sein können. Von mir aus sogar sehr viel mehr.

Aber über’s Knie brechen kann man’s halt auch nicht, & so müssen wir eben mit dem klarkommen, was machbar ist (Herr Nachbar): die Bedingungen der Welt. Bloß nicht persönlich nehmen. Und daß mit letzterer irgendwas ganz Eklatantes permanent schiefläuft, ist ja sowieso eher eine Binse. Ob oder wieviel dagegen mit der Band schiefläuft: diese Frage steht gottseidank auf einem völlig anderen Blatt. Entscheiden werden das jedenfalls keine Waschmaschinenverkäufer á la Bohlen & co. So what the f…, wie andeutungsweise der Franzose sagt. Weiterlesen, hier »

Chris Whitley

November 22nd, 2005 - Kein Kommentar

Lernte Chris Whitley - ein bißchen - auf meiner letzten (bis dato) Stoppok-Tour kennen, wo er im Frühljahr 02 das Vorprogramm bestritt. Es war schwer für ihn, denn dieses Publikum war einfach nicht seins. Wartete auf einen vergleichsweise witzig-feucht/fröhlichen Abend mit uns, d.h. der Stoppok-Band, & plötzlich ist da diese seltsame Gestalt auf der Bühne - ein bißchen wie Artaud oder Pasolini - und macht ernst. Kaum Ansagen, geschweige denn witzig. Mit nichts als einer Dobro um den Hals sowie einem Brett auf dem Boden, welches das gelegentliche Stampfen seiner Cloggs verstärkt. Manisch, fiebrig. Renitenter Engel. Es scheppert & dampft & pfeift aus allen Nähten. Wie Hendrix auf`m Schrottplatz. Und das Stampfen kommt jetzt von einer Autopresse im Hintergrund. Weiterlesen, hier »

Gebet & Revolver

August 28th, 2005 - Kein Kommentar

Noch ein paar Tage bis zur Veröffentlichung von “Gebet & Revolver” & ich harre dessen quasi mit meiner üblichen Mischung aus leichtem Zweckpessimismus (mir doch scheissegal) und Aufregung (zugegeben): man hat seine 3 Pfund (bzw. 90 Kilo) in die Waagschale geworfen, jetzt sind die anderen dran. Um mich ein bisschen abzulenken, renoviere ich die Küche. Falls also - wider alle Vernunft bzw. aus Gründen, die ich mir bis jetzt möglicherweise noch nicht vorstellen kann - das gute Stück irgendwie durchfallen sollte, hätte ich dann zumindest ein schönes, langes, neues Arbeitsbrett aus irgendwie beeindruckend gemasertem Holz, gut geölt, handfest, solide & nicht so schnell kaputtzukriegen. Jedenfalls haben die Vögelchen (Songs) ihr Nest (Studio) verlassen & beginnen von jetzt ab ein eigenes Leben. Viel Glück, ihr kleinen Biester.

Ein bisschen blöd zunächst: ausgerechnet die Nachdichtung (oder besser: Paralleldichtung) von “Do You Want My Job ?”, über die ich mich im vorletzten Beitrag so ausschweifend verbreitet hatte, ist leider nicht mit drauf ist: wir hatten 3 Verlage um Erlaubnis zu fragen, haben aber bisher nur 2 positive Antworten bekommen. Hoffentlich auf der nächsten also. Weiterlesen, hier »

So, und dann?

April 24th, 2005 - Kein Kommentar

So, der Vertrag mit Buschfunk ist unterschrieben (was abzuwarten war), die Platte ist bis auf zweieinhalb Kleinigkeiten fertig & der Künstler für’s erste sehr zufrieden, & ein Klasse-Cover gibt’s auch schon. Nächste Woche geht’s ans Mastern & danach wird ein Gläschen getrunken. Oder auch zwei. Trotz der - nennen wir’s mal - buddhistischen Geduldsprobe, die jetzt noch ansteht namens Erscheinungsdatum: denn ja, das ist erst Anfang September, d.h. wir müssen alle (d.h. alle 17 von euch & ich noch mit dazu, & nee, schön ist das nicht, denn sowas möchte man eigentlich möglichst schnell mit den nachweislich geschmackssicheren & exquisiten Mitglieder/inne/n seines Lieblingsclubs teilen, jawohl…) noch ganze 4 Monate darauf warten. Das ist - wie gesagt - ziemlich scheusslich, hat aber vor allem folgenden (jajajajaja !) Grund:
also man könnte das ganze Anfang Mai ins Presswerk geben, das booklet wäre auch in etwa 2 Wochen fertig & dann könnte die CD spätestens Ende Mai raus sein, was auch eigentlich mein Plan war. Nur: was passiert dann ? Klar, alle 17 Mitglieder o.g. exquisiten Clubs besorgen die sich erstmal & freuen sich (hoffentlich). Weiterlesen, hier »

Wieder da

November 19th, 2004 - Kein Kommentar

… so, wieder da… das Ganze hat jetzt fast ein Jahr gedauert, ganz schön lange war’s, aber dafür ist erstmal Sense… & wo ich wieder so hier bin (wonach ich mich teilweise derartig gesehnt hatte auf der Tour), vermisse ich ab & zu doch den ein oder anderen… ist schon ne nette Bande, wenn mir auch eine ganze Menge daran nicht gepasst hat… & nee, das ganz grosse Ding ist es auch nicht geworden, aber einen Zuschauerschnitt von etwa 400 Leuten hatten wir schon… in Red Rocks waren es sogar 7000 & eine Basis für weitere 37 Touren wäre zweifellos gelegt, wenn nicht diese ewigen Gitarrensoli… aber das hatten wir ja in den Grundzügen schon alles & jetzt war’s halt der Rest der USA, den ich so am Rande so mitgekriegt hab… das finish des Wahlkampfes zum Beispiel (ich war am Tag der Wahl zurückgeflogen): ein paar Leute sind sicherlich jetzt noch depressiv wegen der Wiederwahl dieses Irren… ein oder zwei werden vielleicht sogar nach Canada auswandern… obwohl ich glaube, dass dieses Land einfach zu riesig ist, um ernsthaft gefährdet zu sein, selbst bei weiteren vier Jahren dieser christlich verkleideten Blut-für-Öl-Bande… sicher werden sie weiteren Schaden anrichten (& vor allem bei anderen), aber die Gegenkräfte sind auch nicht zu unterschätzen, es gibt dieses andere Amerika (& den Ketchupbaron fand niemand wirklich aufregend), und da wird sich was tun.
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Stockholm Syndrome

August 15th, 2004 - Kein Kommentar

… zurück von der Tour… gemischte Gefühle, was die Musik angeht bzw. meine Rolle dort als Keyboarder (muss sich erst mal ordnen); die wichtigen Gigs waren zweifellos erfolgreich & das wird sich herumsprechen, doch mit meinem Zeugs hat das alles nicht viel zu tun… z.B. mag ich keine allzulangen & ausufernden & dazu andauernden Gitarrensoli (das ging mir schon bei anderen auf den Keks) oder zu grosse & theatralische Gesten (keinen Bock auf Stadionrock)… hab’s eher mit möglichst präzisem Understatement… klar, es wird einem viel auf die Schulter geklopft bzw. eine grosse Zukunft prophezeit & all sowas, bin mir nur leider nicht sicher, ob ich Teil davon sein will (das sind Probleme, was !?). Weiterlesen, hier »