Brüder & Schwestern

Und was (momentan) Religiöse Gefühle angeht: können unsere Brüder & Schwestern im näheren & ferneren Osten sich eigentlich vorstellen, daß Steinigungen, Händeabhacken, öffentliches Auspeitschen sowie Hängen & ähnliche Scherze (oder auch sowas wie der völlig idiotische Mord an Hatun Sürücü, von dem mir keiner erzählen kann, daß der nur auf Rechnung von archaischem Stammesdenken geht: die haben jedenfalls ihren Kaplan sehr genau gelesen) eventuell auch die Gefühle von halbwegs aufgeklärten Mitteleuropäern verletzen könnten?

Oder ein bißchen variiert: haben nur superreligiöse Menschen Gefühle? Und das fragt hier bitteschön jemand, dem religiöse Dinge durchaus überhaupt nicht scheissegal sind (denn da hat er z.B. einige seiner interessantesten Inspirationen her). Na schön, nur so ein Gedanke.

Allerdings einer, den ich verdammt selten lese in all den Kommentaren: denn entweder liegt der Akzent auf deren Verletzheit oder aber unserer Pressefreiheit. Liegt da nicht so ziemlich als erstes auf der Hand, wie’s denn dann um deren Pressefreiheit bestellt ist (bzw. um die Verletztheiten von Leuten, deren hauptsächliches Verbrechen darin besteht, eins und eins halbwegs zusammenzählen zu können)?

Oder noch anders gefragt: ist sowas wie Religion nur um den Preis von beschissenem Mittelalter zu haben? Und ist der Rest Marxismus (scheint erstmal wegzufallen, könnte aber wiederkommen) oder Raubtierkapitalismus (der gar nicht anders kann als den Ast abzusägen, auf dem er sitzt)? Nee, kann ich alles nicht glauben. Weiterlesen

Ganz schön windig…

… die Gigs mit der Band für’s erste vorbei, weiter geht’s in der Konstellation frühestens Juni, denn Moe fährt für ein paar Monate in die Schweiz, Kulle hat ne Menge am Potsdamer Hans-Otto-Theater zu tun (Premiere “About a Band” am 14.2.; hat er nicht nur – d.h. ausser der Musik – mitgeschrieben, sondern besetzt erstmalig auch eine Hauptrolle als Schauspieler), & Hans ist für die neue Winson-CD mit am Start, welche da demnächst erscheint & keiner weiss, was dann passiert. Viel Glück für alle!

Und soweit, so gut & so schade ein bißchen, denn das neue Konzept funktionierte eigentlich ziemlich gut: die Intimität von Folk (zumindest stellenweise) abzuwechseln mit Rock’n Roll- Krach & Risiko (& was sonst noch allem), so daß weder Text noch Spielfreude einander zu sehr auf die Nerven gingen. Es hätten also durchaus noch ein paar Termine mehr sein können. Von mir aus sogar sehr viel mehr.

Aber über’s Knie brechen kann man’s halt auch nicht, & so müssen wir eben mit dem klarkommen, was machbar ist (Herr Nachbar): die Bedingungen der Welt. Bloß nicht persönlich nehmen. Und daß mit letzterer irgendwas ganz Eklatantes permanent schiefläuft, ist ja sowieso eher eine Binse. Ob oder wieviel dagegen mit der Band schiefläuft: diese Frage steht gottseidank auf einem völlig anderen Blatt. Entscheiden werden das jedenfalls keine Waschmaschinenverkäufer á la Bohlen & co. So what the f…, wie andeutungsweise der Franzose sagt. Weiterlesen

Chris Whitley

Lernte Chris Whitley – ein bißchen – auf meiner letzten (bis dato) Stoppok-Tour kennen, wo er im Frühljahr 02 das Vorprogramm bestritt. Es war schwer für ihn, denn dieses Publikum war einfach nicht seins. Wartete auf einen vergleichsweise witzig-feucht/fröhlichen Abend mit uns, d.h. der Stoppok-Band, & plötzlich ist da diese seltsame Gestalt auf der Bühne – ein bißchen wie Artaud oder Pasolini – und macht ernst. Kaum Ansagen, geschweige denn witzig. Mit nichts als einer Dobro um den Hals sowie einem Brett auf dem Boden, welches das gelegentliche Stampfen seiner Cloggs verstärkt. Manisch, fiebrig. Renitenter Engel. Es scheppert & dampft & pfeift aus allen Nähten. Wie Hendrix auf`m Schrottplatz. Und das Stampfen kommt jetzt von einer Autopresse im Hintergrund. Weiterlesen