Gysi-Mobbing der Kufya-Linken

Vor kurzem dachte ich noch, demnächst vielleicht doch mal wieder die Linken wählen zu können. Reichinnek fand ich trotz ihrer Plappermäuligkeit vor allem deshalb gut, weil sie den Focus endlich mal wieder auf Kernthemen der Linken richtete, wo sie so offensichtlich die besseren Argumente haben: Mieten, Preise, Gerechtigkeit und nicht zuletzt eine glaubwürdige Position gegen Rechtsaußen. Weshalb ihre Umfragewerte letztens auch noch bei 10,3% lagen.
Und was macht die Linke mit diesem Pfund?
Gegen Israel hetzen, ein “genozidaler Staat” sei das, Zweidrittelmehrheit in Hannover. Dann verlässt der Antisemitismus-Beauftragte Andreas Büttner die Partei, Van Aken danach wie auf rohen Eiern, Reichinnek merkwürdig einsilbig, Pau verzweifelt, und Gysi – (weil er es wagte, wenn auch nur sehr vorsichtig darauf hinzuweisen, junge Migranten in der Linken könnten hier und da eventuell eine falsche Sicht auf Israel mitbringen, wobei er auch nicht vergaß zu betonen, dass er die Mitgliedschaft junger Migranten ausdrücklich begrüße) wird Rassismus vorgeworfen. Von wem eigentlich?
Was sind das für argumentationsresistente und Betroffenheit simulierende junge Mobbing-Experten (zum Vorgehen der Mullahs im Iran hört man von ihnen keinen Piep), die dann als Sühne von ihm neben einer Entschuldigung (“für die entstandenen Verletzungen” – wobei sie natürlich null interessiert, wie “verletzt” sich wohl Andreas Büttner gefühlt haben mag nach dem Brandanschlag incl. rotem Dreieck als Zugabe) eine “antirassistische Weiterbildung” verlangen, und das auch noch “zeitnah” (aus welchen Angeberagenturen beziehen die eigentlich ihre Vokabular?), selber aber offensichtlich nicht willens sind, auch nur bei Wikipedia Begriffe wie “Genozid”, “Apartheid” oder “Zionismus” kurz mal nachzuschlagen, bevor sie solche schweren Geschütze so schafsköpfig wie pausenlos und falsch durch die Gegend trompeten?
Anscheinend wollen sie nach Abgang der doofen Wagenknecht unbedingt wieder eine zerstrittene kleine Sekte werden. Es ist zum Mäusemelken.

Alex Pretti

Kurz ein paar Gedanken zu Alex Pretti: Fast jeder labile Irre kann Mitglied von ICE werden, und die lässt Trump dann – nach einem viel zu kurzen Crashkurs, mit voller Rückendeckung und ungefähr so zurechnungsfähig wie ein freilaufendes Rudel nervöser Pitbulls – auf den intelligenteren Teil der Bevölkerung los.

Und dann bringen sie einen herzensguten und völlig ungefährlichen Krankenpfleger um bei seinem selbstlosen Versuch, eine Frau vor ihnen zu schützen, und Trump, durch die Videos in Erklärungsnotstand gebracht, versucht sich zu retten mit “Don´t believe what you see with your eyes.” (*) Geht’s noch blöder? Wirklich “ein helles Kerlchen” (James Lee Burke), aber vermutlich wird sich trotz allen Zurückruderns momentan daran vorerst nicht sehr viel ändern. Fürchte ich, und hoffe was anderes.

Sowas hätte übrigens nach eigenem Bekunden die AFD hier gerne auch. Und keine Ahnung, ob beispielsweise die über 50 Prozent von Juli Zehs überaus netten Nachbarn sich darüber im Klaren sind oder nicht: Wichtig ist nur, zu verhindern, dass sie ihr Ziel erreichen. Und viel mehr interessiert mich daran auch erstmal nicht.

(* Überhaupt besteht nach Hannah Arendt ja einer der Wesenszüge von Faschismus darin, dass man so mürbe gemacht werden soll, nicht nur den eigenen Augen nicht mehr zu trauen, sondern auch all seinen anderen Sinnen, Gefühlen und Gedanken. Bzw.”flood the zone with shit” (die neueste Variante davon), bis keiner mehr weiß, was richtig und falsch, oben und unten oder überhaupt noch irgendwas ist. Vielleicht nichtmal mehr der eigene Name, und danach kommen dann nur noch die Nummern.)

“Sind Antisemitisten anwesend?”

Vor kurzem ist eine gleichnamige Sammlung verschiedenartigster Beiträge gegen Judenhass im Satyr Verlag erschienen, die auch zwei Songtexte von mir enthält (einer davon mit Wiglaf Droste). Eine wirklich gute Idee zur Zeit, wie ich finde … und wie schön auch, dass sich so viele hochkarätige Leute daran beteiligt haben. Toll.
Einer meiner Lieblingsbeiträge darin handelt von Judith Butler & deren jungen postkolonialistischen Epigonen, mit denen der Autor Markus Liske offensichtlich ein paar Tage in Frankreich verbracht bzw. ein paar Hühnchen zu rupfen hat. Er bezeichnet seinen Beitrag als “gescheiterte Satire”, was aber m.E. nicht so ganz stimmt: “Außerdem gemahnten ihre ultrakurzen Ponyfrisuren auf verstörende Weise an mittelalterliche Exorzisten und jeden zweiten Satz schlossen sie mit einem leicht nachgeschobenen “genau” ab, was mich wieder daran erinnerte, dass ich schon vor längerer Zeit mal einen Essay zur Ehrenrettung des “äh” schreiben wollte.” In dem Ton ist der ganze Text gehalten, der diese Leichtigkeit trotz seines ernsthaften (äh) Contents an keiner Stelle verliert, und ich hatte damit durchaus meinen Spaß. Nö, nicht gescheitert.
Und Heiko Werning, neben Michael Bittner und Lea Streisand Mitherausgeber, fasst das Anliegen dieser Anthologie hier nochmal schön knapp und präzise (so) zusammen:

“Nach dem Terrorangriff der Hamas vom 7. Oktober flammten weltweit nicht etwa machtvolle Proteste gegen die irren Islamfaschisten auf, sondern eher gegen die Opfer. Auch die Kulturszene befremdete häufig mit Schweigen sowie mehr oder weniger antisemitisch grundierten Free-Palestine-Parolen und pseudo-postkolonialistischem Geplapper.
Umso erfreuter war ich, dass zumindest auf unseren kleinen Lesebühnen noch einige Stimmen der Vernunft zu hören waren, lustige und elegant formulierte noch dazu. Das brachte mich auf die Idee, diese Texte in einem Buch zu versammeln und weitere stabile Charaktere zu bitten, Material beizusteuern. Freund und Kollege Volker Surmann – Autor mit seinem Satyr Verlag war gleich dabei, mit Michael Bittner fand ich einen Compañero, der das intellektuelle Rückgrat einbrachte, und so beschlossen wir, gemeinsam das Abenteuer Anti-Antisemitismus-Anthologie zu wagen. Lea Streisand war mir schon zuvor mit schönen Texten aus ihrer eigenen jüdischen Perspektive aufgefallen, umso erfreuter war ich, dass sie auf unser Angebot einstieg, als Herausgeberin mitzumachen.
Dann fragten wir von uns geschätzte Autorinnen und Autoren und waren ganz gerührt und begeistert von der Resonanz. Schließlich liegt jetzt also dieser Wackerstein gegen den grassierenden Judenhass vor, im doppelten Umfang dessen, was wir zunächst geplant hatten: lustig und angriffslustig, nachdenklich und polemisch, vielstimmig und doch ein großes Bild ergebend, nach rechts ebenso austeilend wie nach links und in die Mitte, gegen Biodeutsche wie Migranten, kurz: gegen all die furchtbaren Voll-, Halb- und Irgendwie-so-ein-bisschen-Judenhasser überall, die natürlich alle eines garantiert nie sind: Antisemiten. Oder sind etwa Antisemitisten anwesend?”

Jetzt überall im Buchhandel: Hardcover, 384 S. (inkl. 20 farbiger Cartoon-Seiten), ISBN: 978-3-910775-18-3, 26 €.
Gerne direkt beim tapferen Verlag bestellen: https://www.shoptyr.de/Streisand-Bittner-Werning-Sind…